Pränatale Haptonomie

Die pränatale Begleitung

Die pränatale Begleitung kann nicht auf eine einfache Vorbereitung zur Entbindung reduziert werden.

Deswegen wird sie Frauen angeboten, die im voraus wissen, dass sie einen Kaiserschnitt oder eine sehr medikalisierte Entbindung haben werden. Man kann sie nicht mit einer Technik assimilieren und auf Gesten reduzieren. Sie ist eine Vorbereitung aud die Entbindung, auf die Geburt und auf den Empfang des Kindes. Das Kind wird von Vater und Mutter während seines Lebens im Schoss und der Geburt begleitet, geführt, unterstützt.

Die Mutter entdeckt, dass sie mit ihrem Kind direkt in Kontakt sein kann, dank dem durch die Affektivität regierten Part ihres Nervensystems (die unterkortikalen Kanäle). Sie kann, ohne sebst die Hände auf ihren Schoss zu legen, aktiv ihr Kind treffen. Durch die Entspannung, die diese einfache Geste provoziert, vermittelt sie ihm alle Möglichkeiten zur Antwort, indem sie sich nähert oder entfernt,sich langsam bewegt, oder sich schaukelt.
Die Tonuse des mütterlichen Perineums und Diaphragmas reagieren nämlich auf den affektiven Zustand der Mutter. Das Kind nimmt die kleinsten Veränderungen wahr und reagiert darauf. Sie kann ihm Ruhe und Sicherheit vermitteln , selbst in den für sie und führ ihn schwierigen Momenten. Sie entdeckt, dass sie es  schützen kann, was sie, den Vater und auch das Kind beruhigt. Deshalb kann Haptonomie eine wertvolle Unterstützung während risikovoller Schwangerschaften sein. Und generell während all dieser Momente, wo die medizinischen und technischen Fragen das affektive Verhältnis in den Hintergrund drängen, ist Haptonomie eine sehr nützliche Hilfe für Eltern und Kind.

Während jeder Begegnung mit dem Begleiter entdecken die Eltern, wie sie einen Austausch mit ihrem Kind haben können, indem sie den thymotaktilen affektiven-bestätigenden Kontakt implementieren.  Dieser Kontakt gibt der Mutter ein Sicherheits- und Ganzheitsgefühl. Es ist ein Kontakt voller Zärtlichkeit. Dieser Kontakt verlangt ein affektives Engagement beider Eltern. Er ist wertvoll und bereichernd für das Paar, das diesen affektiven Austausch zu Hause zwischen den Treffen mit dem Haptotherapeuten fortsetzt.

Die Begleitung ist progressiv. Sie passt sich den Entwicklungsphasen der Schwangerschaft und den vorkommenden Ereignissen an. Man zeigt dem Vater die Gesten mit denen er seiner Gefährtin mehr Komfort geben kann, trotz ihrer Figurveränderung, die durch die Entwicklung des Kindes provoziert ist. Damit er sie richtig versteht, bietet man ihm während einer spezifischen Sitzung an, diese Gesten selbst zu fühlen.

 

 


Sich vor der Geburt treffen

So entsteht ein sogleich tiefes und leichtes Verhältnis, meistens heiter, selbst in den ernsten Momenten. Man entdeckt, dass das Kind lange vor der Geburt auf jedes Zeichen, das es wahrnehmen kann, lauert, als Einladung zu spielen, oder sich zu manifestieren.

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Es sucht nach dem Kontakt der Hände, wenn sie zärtlich sind, aber flüchtet, wenn sie zu schwer sind oder der Mutter missfallen. Sehr früh erkennt es die Stimmen derer, die die Mutter umgeben, und nähert sich denen, die ihm behagen. Dieses Erkennen der Stimmen entsteht sehr früh durch das Wahrnehmen der Vibrationen, die sie in seinem Raum, auf seiner Haut, in seinen Knochen provozieren. Gegen Anfang des 3. Vierteljahres entsteht das Hören und kommt zu den anderen sensorischen Marken hinzu.  Die Stimme des Vaters ist äusserts wichtig, denn im Gegenteil zur Mutterstimme, die stets aus dem selben Platz kommt, erklingt sie aus verschiedenen Plätzen. So ist es auch mit den Stimmen der Brüder und Schwestern. Nach der Geburt wirkt die Stimme des Vaters als sehr beruhigend für das Kind, was sich als wesentlich erweisen kann, falls das Kind von der Mutter getrennt werden sollte.

In sehr subtilen Spielen schaukelt das Kind hin und her zwischen den Händen seiner Eltern, aber sehr langsam, ohne zu purzeln, was Probleme mit seiner Nabelschnur provozieren könnte, wie manche es befürchten. Haptonomie provoziet keine Nabelschnurprobleme. Diese Bewegungen, die an Tänze erinnern, sind jedem Kind eigen und sind je nach Moment verschieden. Die Kinder bieten sie an, wenn die Mutter ruhig ist. Auf ihre Art und Weise teilen die Kinder ihren Eltern mit, dass sie bereit sind, zu kommunizieren. Und sehr schnell spürt die Mutter den Rythmus ihres Kindes, wann es verfügbar ist, und wann es sich zurückzieht. Wenn die haptonomische Begleitung gut geführt wird, gibt es keine Gefahr einer Überforderung des Kindes. Man passt sich dem Kind an.
Das bedeutet, dass das Kind von aussen nicht ersucht wird, wenn es nicht dazu bereit ist. Diese Art, das Kind in das affektive Leben einzuschliessen, gibt ihm lange vor seiner Geburt, das Gefühl empfangen und akzeptiert zu werden, so wie es ist.
Diese Sicherheit und diese Einladungen erlauben ihm, Austauschsmomente im Sicherheitsgefühl zu erleben, die wesentlich sind für die Selbstentfaltung und die Reifung seiner sensorischen und intellektuellen Fähigkeiten.
Dies wird die Basis seiner Autonomie sein, eingewurzelt im affektiven Austausch und im Vertrauen in sich selbst und in den Anderen.

Entbinden und zur Welt kommen .

       Diese beiden Ereignisse geschehen im selben Moment, werden aber von 2 verschiedenen Personen erlebt  bei denen sie verschiedene Spuren hinterlassen. Man muss dies stets berücksichtigen, wenn man später die Mutter kann eine sehr schöne Entbindung erlebt haben, während ihr Kind eine schwierige Beziehungen Eltern-Kinder verstehen will.  Die Geburt erlebte, und der Vater konnte vielleicht sehr beängstigt sein, ohne dass seine Gefährtin es spürte. Das Kind aber spürt alles… Obwohl die Begleitung nicht zu einer Entbindungsvorbereitung reduziert werden kann, favorisiert sie eine natüliche Geburt und hilft bei der Entbindung. Sie ist wertvoll bei Kaiserschnitten, indem sie der Mutter hilft in intimer Nähe mit ihrem Kind zu bleiben und dabei das Gefühl behält, das Kind in die Welt zu bringen, selbst wenn sie dazu von einem medizinischen Team geholfen wird,   dessen Allierte sie ist.

 

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Dank den Tonusveränderungen, die durch die Beanspruchung der unterkortikalen Kanäle entstehen, ermittelt die affektive Verknüpfung ein Gefühl des Wohlseins, der Ganzheit, begleitet von einem ganz spezifischen Muskeltonus –elastisch und straff- und von einer Laxheit der Bänder , die die Entbindung favorisieren, selbst wenn sie mit obstetrikaler Technik unterstützt wird.

Dieser körperliche Zustand ist nicht das Ergebnis einer Technik oder von Übungen, er ist die Folge der affektiven sicherheitsbestätigenden Beziehung. Die Mutter, indem sie sich auf ihr mütterliches Gefühl stützt, überschreitet ihre gewöhnlichen Grenzen, dank der Hilfebeziehung, die sie ihrem Kind vermittelt, damit dieses  aus dem Schoss aktiv herauskommt.

Anstatt fortzustossen, um es aus sich herauszujagen, führt sie es, öffnet ihm den Weg und begleitet es. Man kommt nur einmal zur Welt, es ist ein wesentliches und gründungsvolles Ereignis. Die Mutter mit dem wertvollen Beistand des Vaters (oder der dritten Person) hilft dem Kind auf seinem Weg, selbst wenn sie leidet.

Dass sie auf die Hilfe für ihr Kind und nicht auf sich selbst zentriert ist, hat Wirkungen auf den Muskeltonus aber auch auf die Hormonausschüttungen  natureller Endorphinen.
Das alles mindert die Schmerzen und gibt die Kraft, sie besser zu ertragen .
Nach der Geburt, und nach Geburt der Plazenta, fragt man den Vater (oder die dritte Person) , wenn der Zustand des Kindes es erlaubt, ihm seine erste Trennung mit seiner Mutter erleben zu lassen, was die Haptonomie « erste Befreiung » nennt. 
(siehe Rubrik « postnatale Begleitung »)

 

Der Haptotherapeut muss den Ort, wo die Frau entbindet, berücksichtigen. In seiner Begleitung passt er alles, was die Entbindung betrifft, den Praktiken jedes Geburtsheimes an.
Eine Frau kann eine haptonomische Entbindung erleben , selbst in einem Ort, wo Haptonomie unbekannt ist. Das ist mehr oder weniger schwierig, muss aber vorbereitet werden.


Die Frage der Periduralanästhesie.


Man hört ab und zu, dass die haptonomische Begleitung unvereinbar sei mit der Periduralanästhesie.  Falsch !


Es stimmt aber, dass wohlbegleitete Patientinnen weniger das Bedürfnis danach haben. Die Periduralanästhesie ist ein grosser Fortschritt, der den Frauen erlaubt, ihre Entbindung zu beenden, ohne unter unerträglichen Schmerzen zu leiden. Die Haptonomie sagt, dass Periduralanästhesie nicht harmlos ist, aus verschiedenen Gründen, die Mutter und Kind angehen.

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Wir versuchen den Frauen zu helfen, damit sie mit ihrem Gefährten  die Entbindung so gut wie möglich erleben, indem sie sich mit ihm bequem und sicherheitsvoll installieren und sich auf ihr mütterliches Gefühl stützen.
Wenn sie im Moment sind, wo sie die Schmerzen nicht mehr ertragen können, (die Müdigkeit spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle) empfehlen wir ihnen eine Periduralanästhesie, ohne dass sie das geringste Schuldgefühl empfinden, sich selbst oder der Haptonomie gegenüber. Wir verlangen aber von beiden Eltern noch mehr Präsenz für das Kind, das die Periduralanästhesie wie eine Distanz zwischen ihm und seiner Mutter erleben kann  wegen der Veränderung des Tonusaustausches. Die Periduralanästhesie soll die Intensität der Verbindung nicht mindern, und dies ist absolut möglich.


Haptonomie und andere Annäherungen


Es ist ungegeignet Haptonomie mit anderen Annäherungen zu verbinden (wie Yoga, Sophrologie, Atemtechniken) , deren Ziel es ist durch Lehre oder Übungen Atem und Muskeltonus zu verändern. Sie beanspruchen vor allem den Neocortex und sind deshalb mit Haptonomie schwer vereinbar. Die Assoziation dieser Annäherungen würde den befreienden Effekt des affektiven Ausdrucks behindern, weil dieser spezifisch auf unterkortikale Nervenzentren interveniert.


Jegliche Aufmerksamkeit dem Atem gegenüber mit einer imaginären Vorstellung oder Visualisierung des Kindes, ist ein Hindernis für die affektive Beziehung mit dem Kind. Man spürt es während der ganzen Schwangerschaft. Und während der Entbindung ist die Mutter von widerspruchsvollen Befehlen, die sie sich selbst gibt gefangen, was die Lage kompliziert.

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So muss man die Gründe dieser Ausschliessung verstehen, aus Respekt für die Frauen. Es geht nicht darum, eine Rivalität zwischen verschiedenen Praktiken, die ihre eigenen Vorteile haben, zu kreieren. . Besser ist es gründlich zu sein, damit jede Annäherung das Beste von sich selbst gibt. Alle Mischungen sind nicht möglich, selbst wenn die Idee attraktiv ist. Die Eigenarten unseres Nervensystems zwingen dazu.  Man kann das leicht und schnell dem Vater und der Mutter klar machen. Sollten sie Bedenken haben, so müssen sie nach einem Termin mit einem wohl ausgebildeten  Haptotherapeuten fragen, indem sie die Listen des CIRDH konsultieren, oder indem sie sich an wohl informierte Personen wenden. Er soll ihnen dann die Gründe der Ablehnung dieser Mischungen erklären. Dies setzt voraus, dass die haptonomische Begleitung, nur denen, die es verlangen, reserviert ist. Man kann und man darf nie jemanden dazu zwingen.  Das affektive Engagement der Paare, die Notwendigket Haptonomie nicht mit einer anderen Entbindungsvorbereitung zu kombinieren, können nicht allen passen. Es ist wichtig, dies zu respektieren und darüber ganz einfach mit dem begleitenden Haptotherapeuten zu sprechen.


Dramatische Umstände bringen manchmal die Eltern dazu, sich in eine Begleitung zu engagieren auf Wunsch ihres Obstetrikers oder Psychotherapeuten.In diesem Falle beobachtet man, dass manche Personen, die keinen besonderen Wunsch für diese Annäherung hatten, sich sofort positiv engagieren, aber es handelt sich hier um ganz besondere Umstände.
Wenn die Geburtsheime eine Vorbereitung anbieten mit Besuch der Räume und zahlreichen wertvollen Informationen über die lokalen Gewohnheiten, ermuntern wir die Frauen sich einzuschreiben, ausser wenn es sich um Yoga oder Sophrologie handelt. Durch diese Sitzungen lernen die Eltern die Räume und das Personal kennen und wir können ihnen so die Kompatibilitäten und Inkompatibilitäten der verschiedenen Annäherungen besser spüren lassen.
Spüren lassen ist immer besser als erklären. Und es ist für niemanden gut, dass die Frauen in Räumen ankommen, die ihnen fremd sind. Es sind auch für den Haptotherapeuten Informationen, mit denen er seine Arbeit über die Entbindung orientieren kann.


Wenn es kein Elternpaar gibt.


Es wurde schon präzisiert, dass diese Begleitung im Prinzip für beide Eltern und ihr Kind reserviert ist. Falls einer der beiden Eltern an der Begleitung nicht teilnehmen will, muss er auf keinen Fall dazu gezwungen werden. Jeder hat seine Gründe und diese sind zu respektieren, selbst wenn er sie nicht erklären kann oder will. Diese Gründe sind nicht imer bewusst, selbst wenn sie auf logische Begründungen basieren.
Wenn die Mutter nicht will, ist die Situation einfach, denn ohne ihre Zustimmung kann man nichts machen. Manchmal ist es wegen ihrer starken Beziehung zum Yogalehrer oder Sophrologen, und das muss auch respektiert werden.
Wenn ein Vater sich nicht in die haptonomische Begleitung engagieren will, ist es unmöglich diese Begleitung ohne ihn zu machen, selbst wenn er damit einverstanden wäre. Dies würde nämlich voraussetzen, dass jemand der haptonomischen Intimität seiner Frau und seines Kindes näher käme, ihn ersetzen würde und besser wüsste als er , was für seine Frau und sein Kind gut ist. Das ist nicht denkbar und würde in dem Trio problematisch werden, entweder zwischen den Erwachsenen, oder zwischen einem der Eltern und dem Kind, auf unberechenbare aber sehr schädliche Art und Weise. Man muss dem Paar helfen, diese Ablehnung zu leben. Den Vater unterstützen in seinem Recht die Begleitung abzulehnen, und ihm gleichzeitig – wenn er es wünscht- anbieten, an einer Probesitzung teilzunehmen.
Diese Ablehnung basiert oft auf falschen Ideen und die Konfrontation mit der Realität stellt klare Gedanken wieder her. Man sieht oft Väter, die anfangs sehr zögernd waren, begeisterte Proselyten werden. Wenn dies nicht passiert, muss der Mutter geholfen werden, auf die Haptonomie zu verzichten –zumindest für diese Schwangerschaft-, ohne jegliches negatives Urteil über ihren Gefährten oder Bitternis. Die gute Harmonie im Elternpaar ist wichtiger als die Haptonomie.


Die dritte Person


Wenn der Vater endgültig abwesend ist, oder wenn die Mutter allein ist, lädt man sie ein, eine Person auszusuchen, die mit ihr und ihrem Kind den Weg der Schwangerschaft und den Empfang des Kindes teilen wird.


Ohne je den Vater zu ersetzen, der im Kind stets anwesend ist, wird diese dritte Person (meistens handelt es sich um eine Frau) der Mutter und dem Kind während der Schwangerschaft und der Geburt helfen, damit der Akzent nicht allzu auf das Duo Mutter/Kind gesetzt wird. Eine zu starke Zweierbeziehung wäre für Mutter und Kind möglicherweise erstickend. Der Vater (oder die 3. Person) macht es möglich, dass die starke affektive Verbindung, die sich zwischen Mutter und Kind entwickelt, nicht zu einer Fusion führt. Es ist äusserts wichtig, dass die affektiven Begegnungen zwischen den Sitzungen weiterhin stattfinden und dass der Mutter geholfen wird, mehr Komfort zu haben trotz der Veränderung ihrer Figur.  Dies setzt die Präsenz einer 3. Person vor, selbst wenn es nicht der Vater ist. Ein Kind muss stets spüren, dass eine oder mehrere Personen bei seiner Mutter sind.
 

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